Der italienische Lohnzettel (busta paga) erklärt für deutsche Personaler
Zuletzt verändert am 4. November 2026 • 5 Min. Lesezeit • 954 WörterWer eine deutsche Entgeltabrechnung lesen kann, findet sich auf dem italienischen Lohnzettel schneller zurecht als gedacht. Die Logik ist dieselbe: Bruttobezüge, Abzüge, Netto. Die Begriffe sind andere, einige Posten gibt es in Deutschland nicht, und einige deutsche Posten fehlen. Dieser Artikel führt Block für Block durch eine typische busta paga oder, wie sie offiziell heißt, den cedolino.
1. Die Kopfzeile: wer, wo, welcher Vertrag
Oben stehen Arbeitgeber, Mitarbeiter, Steuernummer (codice fiscale), Eintrittsdatum, Abrechnungsmonat und vor allem der angewandte Tarifvertrag (CCNL) mit Einstufung (livello). Diese Angaben sind wichtiger als auf einer deutschen Abrechnung, denn aus CCNL und Einstufung ergeben sich Mindestgehalt, Arbeitszeit, Urlaubsanspruch und Kündigungsfrist. Prüfen Sie bei der ersten Abrechnung, ob beides dem Vertrag entspricht.
Statt einer Steuerklasse finden Sie Angaben zu Abzügen, etwa für Familienangehörige, die der Mitarbeiter beantragt hat.
2. Bezüge: die Bruttoseite
Hier stehen die Bestandteile des Bruttos:
- Grundgehalt (minimo tabellare) nach Einstufung;
- Kontingenz- oder Ausgleichsposten, die manche Tarifverträge historisch mitführen;
- übertarifliche Zulage (superminimo), wenn Sie mehr als das Minimum zahlen;
- Dienstalterszulagen (scatti di anzianità);
- Überstunden, Zuschläge, Prämien, Provisionen im jeweiligen Monat.
Die Summe ist das Monatsbrutto, auf das Beiträge und Steuern berechnet werden.
3. Zeiten und Abwesenheiten
Ein eigener Block zeigt gearbeitete Tage oder Stunden, Urlaub, Feiertage, Krankheit und andere Abwesenheiten, oft mit Salden für Urlaub (ferie) und bezahlte Freistunden (permessi oder ROL). Diese Salden sind hilfreich für Ihre Planung, denn nicht genommener Urlaub wird bei Austritt ausgezahlt.
Bei Krankheit sehen Sie, welcher Teil von INPS und welcher vom Arbeitgeber getragen wird. Das unterscheidet sich vom deutschen Modell, in dem der Arbeitgeber zunächst bis zu sechs Wochen allein zahlt.
4. Sozialversicherung des Mitarbeiters
Der Arbeitnehmeranteil an die INPS liegt bei rund 9–10 % des Bruttos, im Standardfall 9,19 %. Auf den Teil des Jahreseinkommens über 56.224 € kommt 1 Prozentpunkt hinzu. Anders als in Deutschland gibt es keine getrennten Zeilen für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, und keinen Zusatzbeitrag einer Krankenkasse. Die Gesundheitsversorgung wird über Steuern finanziert.
5. Steuerabzug
Danach folgt die Einkommensteuer IRPEF. Sie wird auf das Brutto abzüglich der Arbeitnehmerbeiträge berechnet, mit den Stufen 23 %, 33 % und 43 %, und gemindert durch Abzüge für Arbeitnehmer. Dazu kommen der regionale und der kommunale Zuschlag, die oft als Raten über das Folgejahr verteilt einbehalten werden. Deshalb können auf dem Lohnzettel Raten erscheinen, die sich auf das Vorjahr beziehen.
Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer gibt es nicht. Mehr zu den Steuerstufen in unserem Artikel zur Einkommensteuer .
6. Das Netto
Unten steht das Netto (netto in busta), das überwiesen wird. Manchmal kommen nach dem Netto noch Posten wie Spesenerstattungen oder Abzüge für Gewerkschaftsbeiträge hinzu. Steuerfreie Spesen erscheinen als eigene Zeile.
7. TFR: die Abfertigung
Ein Posten ohne deutsches Gegenstück: die Trattamento di fine rapporto. Jeden Monat wird ein Anteil des Entgelts zurückgestellt, rund 6,91 % im Jahr. Der Lohnzettel zeigt den aktuellen Stand oder, wenn die TFR in einen Pensionsfonds fließt, die monatliche Einzahlung. Die TFR gehört dem Mitarbeiter und wird bei jedem Ende des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt.
8. Sonderzahlungen
Im Dezember und, wo vorgesehen, im Juni oder Juli erscheinen 13. und 14. Gehalt als eigene Posten. Werden sie anteilig gezahlt, finden Sie jeden Monat einen kleinen Anteil. Die Rückstellung für noch nicht gezahlte Anteile steht oft im Informationsteil des Lohnzettels. Hintergrund im Artikel zum 13. und 14. Gehalt .
Was auf der deutschen Abrechnung steht und hier fehlt
- Steuerklasse und Kinderfreibeträge als Zahl
- Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag
- Getrennte Sozialversicherungszweige mit Krankenkassenname
- Umlagen U1, U2, Insolvenzgeldumlage (die italienischen Arbeitgeberbeiträge enthalten Vergleichbares, aber nicht auf dem Lohnzettel des Mitarbeiters)
Digitale Zustellung und Aufbewahrung
Lohnzettel werden in Italien meist digital über ein Portal zugestellt. Der Mitarbeiter braucht sie für Kredite, Mietverträge und die Steuererklärung, deshalb sollte er jederzeit Zugriff haben. Die Daten werden in der EU gespeichert und nach DSGVO verarbeitet.
Für Ihre Finanzabteilung ist der Lohnzettel des Mitarbeiters nur die halbe Wahrheit. Die Arbeitgeberbeiträge, INAIL und die TFR-Kosten stehen dort nicht vollständig. Als EOR schicken wir Ihnen deshalb mit jeder Monatsrechnung eine Übersicht, die Brutto, Arbeitgeberkosten und Netto nebeneinanderstellt, auf Deutsch oder Englisch. Prüfen Sie die erste Abrechnung gemeinsam mit uns; danach reicht meist ein Blick auf die Abweichungen zum Vormonat.
Wenn Ihr Mitarbeiter Fragen zu seinem Lohnzettel hat, kann er sich direkt an unser Payroll-Team wenden. Mehr zu den einzelnen Bestandteilen finden Sie unter Gehaltsbestandteile .
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