Arbeitszeit und Urlaub in Italien: was Sie vom August erwarten sollten
Zuletzt verändert am 4. November 2026 • 5 Min. Lesezeit • 955 WörterWer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit italienischen Kunden und Lieferanten arbeitet, kennt das Phänomen: Im August ist vieles still. Werke schließen, Entscheider sind am Meer, E-Mails werden im September beantwortet. Wer eigene Mitarbeiter in Italien hat, sollte diesen Rhythmus nicht bekämpfen, sondern einplanen. Dazu gehört auch, die italienischen Regeln zu Arbeitszeit und Urlaub zu kennen.
Woher die Regeln kommen
Die Grundlagen stehen im Gesetz, die Details im Tarifvertrag (CCNL). Das Gesetz setzt Mindeststandards, etwa zum Mindesturlaub und zur Höchstarbeitszeit. Der CCNL legt Normalarbeitszeit, Überstundenzuschläge, zusätzliche Freistunden und oft auch die Verteilung des Urlaubs fest. Wie in Deutschland gilt: Erst ins Gesetz schauen, dann in den Tarifvertrag, dann in den Arbeitsvertrag.
Typische Arbeitszeiten
Die gesetzliche Normalarbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche. Im Durchschnitt, einschließlich Überstunden, dürfen 48 Stunden pro Woche nicht überschritten werden. Viele CCNL sehen weniger Normalstunden vor. Ein typischer Bürotag läuft von etwa 9 bis 18 Uhr mit längerer Mittagspause als in Deutschland üblich. Im Süden und im Sommer verschieben sich die Zeiten teilweise.
Da Italien in derselben Zeitzone liegt wie Deutschland, Österreich und die Schweiz, gibt es kein Problem mit überlappenden Arbeitszeiten. Unterschiede entstehen eher durch Pausen und Feiertage.
Bezahlter Urlaub
Gesetzlich stehen jedem Arbeitnehmer mindestens vier Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr zu. Mindestens zwei Wochen müssen im Jahr genommen werden, in dem sie entstehen, der Rest innerhalb einer Frist danach. Viele Tarifverträge gewähren zusätzlich bezahlte Freistunden (ROL oder permessi), die wie zusätzliche Urlaubstage wirken.
Nicht genommener Urlaub wird bei Austritt ausgezahlt. Eine Auszahlung während des laufenden Arbeitsverhältnisses statt Freizeit ist für den gesetzlichen Mindesturlaub nicht zulässig.
Feiertage
Italien hat 12 nationale Feiertage, dazu kommt der Tag des örtlichen Schutzpatrons, der je nach Stadt unterschiedlich ist. Einige Feiertage fallen auf andere Daten als im DACH-Raum, zum Beispiel der Tag der Befreiung im April und der Tag der Republik im Juni. Umgekehrt sind deutsche Feiertage wie Pfingstmontag oder der Tag der Deutschen Einheit in Italien normale Arbeitstage. Pflegen Sie einen gemeinsamen Teamkalender.
Die Sommerpause im August
Der 15. August, Ferragosto, ist Feiertag. Rund um dieses Datum schließen viele Unternehmen für eine bis drei Wochen, besonders in der Industrie. Das ist keine gesetzliche Pflicht, sondern eine weit verbreitete Praxis, oft geregelt durch Betriebsvereinbarung oder Vorgabe des Arbeitgebers. Arbeitgeber dürfen in Italien die Lage eines Teils des Urlaubs bestimmen, unter Berücksichtigung der Interessen der Beschäftigten.
Für Ihre italienischen Mitarbeiter heißt das: Viele möchten ihren Haupturlaub im August nehmen, weil Familie, Kinderbetreuung und Ferienwohnungen darauf ausgerichtet sind. Und selbst wenn Ihr Mitarbeiter arbeitet, sind seine italienischen Ansprechpartner oft nicht erreichbar.
So planen Sie darum herum
- Projekte: Meilensteine nicht in die zweite und dritte Augustwoche legen. Entscheidungen bei italienischen Kunden bis Mitte Juli herbeiführen.
- Lieferungen: Rechnen Sie bei Lieferanten mit Werksferien. Bestellungen früh platzieren.
- Vertretungen: Klären Sie im Frühjahr, wer im August arbeitet und wer vertritt. Ein gestaffelter Urlaub im Team hilft.
- Service: Wenn Sie Kunden mit Bereitschaft betreuen, regeln Sie Rufbereitschaft nach CCNL rechtzeitig.
- Vertrieb: Nutzen Sie den Juli für Abschlüsse und den September für Neustarts.
Weihnachten und andere Brückentage
Neben dem August gibt es eine zweite ruhige Phase: von Weihnachten bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, der in Italien Feiertag ist. Auch rund um Ostern und um Brückentage nach Feiertagen nehmen viele Beschäftigte frei. Diese Muster ähneln dem DACH-Raum, verschieben sich aber um einzelne Tage. Ein gemeinsamer Urlaubsplan zu Jahresbeginn verhindert, dass Ihr Team in Deutschland und Ihr Mitarbeiter in Italien gleichzeitig ausfallen oder wichtige Termine aneinander vorbeilaufen.
Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Den August wie in Deutschland als normalen Arbeitsmonat planen.
- Urlaubswünsche im August grundsätzlich ablehnen; das schadet der Bindung.
- Den Mindesturlaub ausbezahlen statt gewähren.
- Feiertage aus dem DACH-Kalender auf Italien übertragen.
- Überstunden zur Kompensation im Juli ansammeln, ohne Höchstgrenzen und Zuschläge zu beachten.
Krankheit und andere Abwesenheiten
Krankheitstage unterbrechen den Urlaub, wenn der Arzt eine Bescheinigung ausstellt. Daneben gibt es zahlreiche bezahlte Freistellungen, etwa für Arzttermine, Hochzeit, Trauerfälle oder Pflege, deren Umfang häufig der CCNL regelt. Planen Sie also nicht nur mit dem Jahresurlaub.
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